Die Lehre vom Seilzug

Jeder Brunnen hat ein Seil. Niemand sieht die Hand, die daran zieht – man sieht nur den Eimer, der steigt, genau dann, wenn er steigen soll.

Wer zusticht, steht selbst im Licht. Wer zuschlägt, muss nah genug heran, um getroffen zu werden. Ein Seil braucht das nicht. Man zieht von weit her, durch viele Hände, über viele Rollen – und am anderen Ende bewegt sich etwas, das seinen Ursprung längst vergessen hat.

Ein gutes Seil zerrt nie. Es strafft sich kaum merklich, einen Fingerbreit am Tag, bis der, der daran hängt, von selbst dort ankommt, wo man ihn haben wollte, und glaubt, er sei von allein gegangen.

Schere und Steyn brauchen eine Hand am Griff. Wir brauchen nur ein Seil, eine Rolle, und Geduld genug, es niemals zu spüren, wenn wir daran ziehen.

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